Wie schreibe ich einen guten Dialog?

Wenn ihr meine vorherigen Beiträge gelesen habt, wisst ihr, dass ich meine liebe Mühe mit Dialogen haben. Dummerweise sind Dialoge nun einmal wichtig für das Schreiben von Romanen. Sie lockern den Erzähltext auf, sie charakterisieren Figuren und bringen die Handlung weiter. Deshalb packe ich heute das Problem an. Ich habe Pinterest nach Tipps und Tricks für bessere Dialoge durchsucht. Die Besten davon habe ich rausgesucht, anhand dieser verbessere ich einen Dialog aus meiner Geschichte.

Dialog vor dem Bearbeiten

Warum fehlt es ihm so schwer mit ihr zu sprechen? Bei ihr ist er um jedes Wort verlegen. Ihre Unterhaltungen bestehen mehr aus Anschweigen als aus Dialog. «Ich habe mir alles einfacher vorgestellt. Ich meine, dass mit unserer Zweckehe», gibt James zu. «Ich auch.» Sie schweigen sich wieder an. James will etwas sagen, aber er weiss einfach nicht was. «Habe ich dir je erzählt, weshalb ich unbedingt aus Buffalo verschwinden wollte?» «Nein.» James hat sich immer gefragt, was der Grund ist, hat sich aber nicht getraut zu fragen. «Ich habe mich einsam gefühlt. So fehlt am Platz. Schon als kleines Kind habe ich mich gefragt, weshalb ich anders bin. Ich meine äusserlich.» Während jeder in ihrer Familie blonde Haare hat und eine durchschnittliche Grösse besitzt, ist Isabellas Haar schwarz und sie überragt einige Männer. Nicht viele Frauen sind so gross. «Die Gesellschaft mochte mich nicht. Sie haben sich ihre Münder über mich zerrissen. Du bist der Erste gewesen, der mich zum Tanz aufgefordert hat.» James ist erstaunt. Isabella hat definitiv zu einer der Schönheiten in Buffalo gehört. Selbst wenn ihre Grösse ungewöhnlich ist, würde ihn das sicherlich nicht vom Tanzen abhalten. «Aber dein Vater hat sicherlich mit dir getanzt?» James will sie damit aufmuntern, aber er hat keinen Erfolg. «Nein. Vater ist ebenfalls immer auf Abstand gegangen. Er hat sich lieber mit meinen Brüdern beschäftigt. Meine Mutter hat sich immer um mich gekümmert. Meine Brüder auch, aber die Tanzen nicht gerne.» James steht auf und hält ihr seine Hand hin. «Würdest du mir die Ehre erweisen, mit mir zu tanzen?» Isabella lächelt schüchtern, legt aber ihre Hand in seine. Sie tanzen und geniessen den Moment. Alles ist vergessen. Nur sie beide zählen. Als sie sich schlafen legen, ist sich James sicher, dass er schon lange nicht mehr so glücklich gewesen ist.

The Mystery of Crimson Peak, Kapitel 5

Das Sprechen

Beginnen wir doch zuerst mit dem Gesprochenen. Was müssen wir beachten, damit das Gesprochene gut wirkt.

  • Den Figuren verschiedene Ausdrucksweisen geben
    Keine zwei Menschen sprechen gleich, selbst wenn sie denselben Dialekt sprechen. Deshalb sollte man sich zu erst überlegen, wie die einzelnen Figuren sprechen und schliesslich diese Sprechweise im Dialog verwenden.
  • Die Beziehung der Figuren beachten
    In welche Beziehung stehen die Figuren zu einander? Arbeitskollegen sprechen anders miteinander als Geschwister untereinander.
  • Wer hat den Lead?
    Insbesondere bei mehr als zwei Personen in einem Gespräch sprechen nicht alle gleich viel. Es ist also wichtig zu wissen, welche Figur hat den Lead in dieser Situation, d.h. spricht am meisten, bzw. welche Figuren halten sich eher zurück oder melden sich vielleicht sogar gar nicht.
  • Informationen
    Wichtige Informationen können auch während eines Dialogs ausgetauscht werden, dabei sollte jedoch beachtet werden, dass nur Informationen in einem Dialog eingebaut werden sollten, die wichtig für den Charakter sind und nicht (nur) für den Leser. Figuren sollten sich nie Sachverhalte erklären, die beide bereits kennen.
  • Subtext beachten
    Manchmal ist es fast wichtiger, wie etwas gesagt wird oder was nicht gesagt wird, als das tatsächlich Gesagte. Ein Dialog kann spannender wirken, wenn die Figuren nicht immer direkt alles sagen, was sie denken, fühlen oder wissen.
  • Konflikte in einem Dialog
    Jeder Dialog sollte einen Art Konflikt beinhalten. Zum Beispiel will die eine Figur nach Australien in die Ferien, während die andere Figur im eigenen Land Urlaub machen will.

Ich isolierte einmal das Gesprochene vom Begleittext in meinem Dialog, damit wir uns auf diese Sätze konzentrieren können.

«Ich habe mir alles einfacher vorgestellt. Ich meine, dass mit unserer Zweckehe»,

«Ich auch.»

«Habe ich dir je erzählt, weshalb ich unbedingt aus Buffalo verschwinden wollte?»

«Nein.»

«Ich habe mich einsam gefühlt. So fehlt am Platz. Schon als kleines Kind habe ich mich gefragt, weshalb ich anders bin. Ich meine äusserlich.»

«Die Gesellschaft mochte mich nicht. Sie haben sich ihre Münder über mich zerrissen. Du bist der Erste gewesen, der mich zum Tanz aufgefordert hat.»

«Aber dein Vater hat sicherlich mit dir getanzt?»

«Nein. Vater ist ebenfalls immer auf Abstand gegangen. Er hat sich lieber mit meinen Brüdern beschäftigt. Meine Mutter hat sich immer um mich gekümmert. Meine Brüder auch, aber die Tanzen nicht gerne.»

«Würdest du mir die Ehre erweisen, mit mir zu tanzen?»

Wenn ich nur die direkte Rede lese, fällt mir auf, dass sehr viele Themen in wenigen Sätzen angesprochen werden und der Wechsel zwischen den Themen vor allem am Anfang sehr abrupt ist. Ich muss entweder den Dialog verlängern oder weniger Themen einbringen. Die beiden Figuren Sprechen auch gleich. Da James standesgemäss etwas unter Isabella liegt, will ich ihm eine etwas weniger „gepflegte“ Sprache geben, während Isabella eher vornehm spricht. James ist der kommunikativere der beiden, weshalb vor allem er spricht. Ich habe auch nicht wirklich ein Art Konflikt oder einen grossen Subtext. Die Figuren sagen einfach was sie sagen wollen. Ein kleiner Konflikt, ein Widerstand oder ein Missverständnis würde das Gespräch spannender gestalten.

Mit diesen Gedanken verbessere ich meinen Dialog.

„Ich habe es mir einfacher vorgestellt.“

„Es ist ja noch nicht alles verloren. Morgen können wir bestimmt wieder weiterreisen. Sobald wir dort sind, werden wir unsere Flitterwochen geniessen können.“

„Ich sprach eigentlich nicht von den Flitterwochen“

„Ich bitte um Verzeihung. Ich dachte nur…“

„Unsere Ehe. Ich habe mir unsere Ehe einfacher vorgestellt.“

„Verstehe.“

„Ich… Ich dachte ich könnte auf Liebe verzichten, verstehts du? Das der Zweck wichtiger ist als Liebe. Ich habe mich getäuscht.“

„Ich habe schon von Ehepartnern gehört, die sich verliebt haben.“

„Glaubst du wir werden uns verlieben?“

„Ich habe ja gesagt, weil du der erste gewesen bist, der mich um einen Tanz gebeten hat.“

„Er weisst du mir die Ehre mit dir zu Tanzen?“

Ich finde den Dialog so schon wesentlich besser. Was meint ihr? Die direkte Rede alleine macht noch keinen guten Dialog. Wir müssen uns auch um den Begleittext kümmern.

Begleittext

Der Begleittext ist dazu da, um uns weitere Informationen zu geben, aber auch um den Dialog zu unterstützen. Wir können zum Beispiel erfahren, wie sich eine Figur gerade fühlt oder was sie denkt. Der Subtext kann ebenfalls übermittelt werden mittels Begleittext. Was Figuren während eines Dialogs machen, kann auch aufschlussreich sein über ihren Charakter, zur Stimmung passen oder vielleicht sogar ironisch zum Dialog stehen. Ich habe eine tolle Liste gefunden mit 50 Dingen, die eine Figur während eines Dialogs tun kann.

Sagen oder nicht sagen, dass ist hier die Frage.

Einerseits sollte man nicht zu viel das Verb sagen verwenden andererseits können Synonyme seltsam wirken, gerade wenn förmlich mit ihnen um sich geschlagen wird. Am besten verwenden wir andere Möglichkeiten, um klar zu stellen, wer was gesagt hat. Also kümmern wir uns noch um einen guten Begleittext für meinen verbesserten Dialog.

Warum fehlt es ihm so schwer mit ihr zu sprechen? Bei ihr ist er um jedes Wort verlegen. Ihre Unterhaltungen bestehen mehr aus Anschweigen als aus Dialog. „Ich habe es mir einfacher vorgestellt,“ bricht es aus James heraus. „Es ist ja noch nicht alles verloren. Morgen können wir bestimmt wieder weiterreisen. Sobald wir dort sind, werden wir unsere Flitterwochen geniessen können,“ versucht Isabella James aufzumuntern. Sein Herz schlägt schneller. Soll er das Missverständnis aufklären? Vielleicht wäre es besser, wenn sie offen darüber reden würden. „Ich sprach eigentlich nicht von den Flitterwochen.“ Isabellas Augen weiten sich. Ob sie weiss, was er eigentlich meint? Sie beginnt sich zu entschuldigen, „Ich bitte um Verzeihung. Ich dachte nur…“ James kann sich nicht mehr zurückhalten. „Unsere Ehe. Ich habe mir unsere Ehe einfacher vorgestellt.“ Jetzt ist es raus. Isabella senkt ihren Blick. „Verstehe,“ sagt sie leise. James will ihr alles erklären. Ihrem traurigen Blick zu urteilen, glaubt sie vermutlich, dass sie das Problem ist. James lässt ihre Hand los und steht auf. Seine Hände zittern. Sein Herz schlägt noch schneller. „Ich… Ich dachte, ich könnte auf Liebe verzichten, verstehst du? Das der Zweck wichtiger ist als Liebe.“ Er dreht sich von ihr weg zum Kamin. Sie soll nicht sehen, dass er Tränen in den Augen hat. „Ich habe mich getäuscht,“ fügt er schliesslich resigniert hinzu. James ist so wütend auf sich selbst. „Ich habe schon von Ehepartnern gehört, die sich verliebt haben,“ erklingt Isabellas Stimme hinter ihm. James dreht sich wieder zu ihr um. Sie ist aufgestanden. „Glaubst du, wir werden uns verlieben?“ James hat Angst darauf zu hoffen. Isabella stellt sich vor ihn hin. Sie sehen sich in die Augen. „Ich habe damals ja gesagt, weil du der Erste gewesen bist, der mich um einen Tanz gebeten hat.“ James glaubt ihr nicht. Sie ist einer der Schönheiten von Buffalo gewesen, natürlich hat jeder mit ihr tanzen wollen. Aber es spielt keine Rolle. Er streckt ihr seine Hand hin, „er weisst du mir die Ehre mit dir zu Tanzen?“ Sie ergreift seine Hand. Langsam beginnen sie einen Walzer zu tanzen. James denkt nur noch an Isabella und ihre gemeinsame Zukunft.

Ich habe den Begleittext natürlich zur neuen direkte Rede anpassen müssen. Wie findet ihrs? Welche der beiden Dialogvarianten findet ihr besser? Schreibst in die Kommentare!

Laut lesen

Zuletzt noch ein praktischer Tipp, der aber nicht nur für Dialoge gilt. Das Geschriebene laut zu lesen hilft extrem viel beim Überarbeiten. Man hört viel besser, wenn Formulierungen nicht gut klingen.

Quellen

7 Tips for Writing Realistic Dialogue

19 Ways to Write Better Dialogue

Ich muss sicherlich noch oft diese Dialoge üben. Jetzt habe ich aber einige Tipps, wie ich es angehen kann. Ich hoffe ihr auch. Habe ich einen wichtigen Hinweis vergessen oder habt ihr andere Tipps? Schreibst in die Kommentare! Nächste Woche geht es weiter mit dem Beschreiben von Settings. Ein weiteres Problemkind von mir.

Bis bald!

Liebe Grüsse

Swissbookwomen

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